Männersonntag 2016

Von Männern für Männer … und die gesamte Gemeinde – 70 Jahre Männersonntag der EKD! 

Seit nunmehr 70 Jahren wird in unzähligen Gemeinden der Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland der Männersonntag begangen! Gewiss hat sich das Erscheinungsbild dieses jeweils dritten Sonntages im Oktober bis heute erheblich verändert. In den Jahren des Nachkriegsdeutschlands ging es um die öffentliche Rolle des Mannes. Führende Politiker wie Herbert Wehner sprachen bei den bundesweiten Gottesdiensten, die zentral in den deutschen Großstädten vor Tausenden Männern veranstaltet wurden. 

Wenn der kommende Männersonntag (16. Oktober 2016, Anm. der Redaktion) auch wieder in vielen Gemeinden der EKBO gefeiert wird, dann sind diese Gottesdienste nicht mehr so groß und pompös. Doch sie werden vorrangig von Männern für Männer und die gesamte Gemeinde gestaltet. Denn die Männer haben sich in den vergangenen Jahren rar gemacht im alltäglichen Leben unserer Kirche. Sie finden ihre eigenen spirituellen Erfahrungen in Gottesdienst und geistlichem Leben oft nicht mehr wieder. Männerrollen haben sich erheblich verändert. Väter wollen zunehmend Familie und Erwerbsarbeit vereinbaren, gleichberechtigte Partnerschaften leben und immer mehr erwachsene Söhne stehen in der Verantwortung, für die Pflege ihrer Eltern zu sorgen.
Theologie und Kirche müssen auf die veränderten Lebenswelten und somit auch die sich neu stellenden Glaubensfragen von Männern reagieren. Daher lobt die Männerarbeit der EKD seit vier Jahren einen Preis für solche Predigten aus, die besonders dazu geeignet sind, männerspezifische Fragen für den Verkündigungskontext zu erschließen: aufgrund ihrer männerbezogenen Textauslegung, einer der Situation angemessenen Sprache, ihrer theologischen Fundierung sowie ihrer Innovation und Originalität. 
Wir geben dem Männersonntag ein jährliches EKD-weites Thema. In diesem Jahr nimmt es auch auf die Flüchtlingsfrage und die vielen Männer unter ihnen Bezug: „Und ob ich schon wanderte … Sich von seiner Sehnsucht finden lassen“. In unserem Werkheft zum Männersonntag beschreiben zwei männliche Fluchtgeschichten – eines heute über 80jährigen ehemaligen Ostpreußen und eines 18jährigen Syrers – auf überraschend vergleichbare Weise die existenziellen Erfahrungen dieses biografischen Einschnittes der Flucht. Die Kirche als Verkündigerin der befreienden Botschaft des Evangeliums braucht solche Erfahrungen und solche Begegnungen mit Männern. Denn sie kann nur in wechselseitiger Gemeinschaft von Männern, Frauen und allen Geschlechtern Kirche sein.