Flüchtlingshilfe

Sachbericht zur Veranstaltung der politischen Bildung

am 20. April 2018 zum Thema:

Flüchtlinge unter uns – Heimat: Afghanistan

Diese Veranstaltung fand reges Interesse sowohl bei den Freiwilligen des Flüchtlingsnetzwerkes, den Bürgern der Stadt Brandenburg als auch bei afghanischen Flüchtlingen.

Es hatten sich über 40 Personen versammelt, um von Herr Dr. Matin Baraki von der Universität Marburg etwas über Kultur, Geschichte, Sitten, Gebräuche und Fluchtgründe aus Afghanistan zu erfahren.

Herr Dr. Baraki begann mit der Entwicklung des Islam in Afghanistan im Mittelalter, um von da aus den Bogen zu den derzeitigen Ereignissen zu schlagen.

Er berichtete von der bitteren Armut in Afghanistan, die Mütter veranlaßt, ihre Kinder auszusetzen oder gar zu verkaufen. Ebenfalls erzählte er – und unterstrich das mit eindrucksvollen Bildern – von der Schwierigkeit, in Afghanistan eine Schule zu besuchen, besonders für Mädchen, die durchaus auf dem Weg zur Schule vergewaltigt oder umgebracht werden können.

Die Zukunftsaussichten in Afghanistan sind so gering und die Armut so groß, daß sich die Menschen auf den Weg machen, um im „goldenen Westen“ ihr Glück und eine Zukunft zu suchen. Dafür wird den Schleppern zwischen 6.000 Euro (für die gefährliche Route über’s Mittelmeer) und zehntausende Euro für einen Flug nach Deutschland bezahlt. Die Flüchtlinge werden „geschult“, damit sie wissen, was sie den Behörden hier erzählen müssen, um einen Aufenthaltstitel zu bekommen. Herr Dr. Baraki betonte, es würde nichts nützen, die Flüchtlinge wieder nach Afghanistan abzuschieben, die würden sich wieder auf den Weg machen, weil sie sonst keine Chance für ihr Leben sehen.

Herr Dr. Baraki betonte, daß die Hilfsgelder oft durch Korruption versickern und denen, die Unterstützung brauchen, gar nicht zugute kommen.

Um das Problem in Afghanistan zu beseitigen, so Herr Dr. Baraki, nützen noch mehr Militär und Waffen nichts. Im Gegenteil. Die ausländischen Armeen müssen abgezogen werden, damit das afghanische Volk seine Belange in die eigene Hand nehmen kann. Massive Hilfe zum Wiederaufbau der Wirtschaft, Landwirtschaft und Infrastruktur sind anstelle von Armeen und Waffen nötig.

Eine Möglichkeit der Hilfe für Afghanistan wäre, Afghanen hier eine Ausbildung in den verschiedensten Berufen zu ermöglichen, zur selben Zeit die Industrie und Landwirtschaft wieder aufzubauen, so daß die Afghanen bei ihrer Rückkehr nach der Ausbildung aktiv beim weiteren Aufbau ihrer Heimat helfen können.

Eine Dame von Ausländerbehörde betonte dann während der anschließenden Diskussion, daß genau das bereits geschehe, indem Flüchtlinge in Ausbildung bis zu deren Abschluß vor Abschiebung geschützt sind. Ein politisches Handeln, das schon in die richtige Richtung geht.

Eine weitere Nachfrage gab es von einem Bürger, der selbst in einem Hilfsprojekt in Afghanistan gearbeitet und dabei von der beschriebenen Korruption nichts bemerkt hätte. Dr. Baraki antwortete, daß es natürlich immer auch gute Beispiele gäbe, die seien aber leider die Ausnahme.

Ein anderer Bürger wollte mehr über die Anzahl der Flüchtlinge aus Afghanistan im Vergleich zu den anderen Fluchtländern wissen. So erfuhren wir, daß die Afghanen den geringsten Anteil an Flüchtlingen in der BRD ausmachen. Etwa 7 %.

Nach der Diskussion wurde das afghanische Essen angeboten, daß von einer Afghanin zubereitet worden war. Ein weiterer Afghane half beim Transport des Essens und auch sonst bei der technischen Durchführung der Veranstaltung.

Während des Essens wurden lebhafte Gespräche der Teilnehmer untereinander, mit Herrn Dr. Baraki und den anwesenden Flüchtlingen geführt.

Übersicht

Beratungsstellen

Brandenburg / Havel

Flüchtlingsberatung Asylverfahrensberatung (Diakonie)

Frau Stiebitz


i.stiebitz@dwpotsdam.de

0331 20077941

(DI 10-12, 13-16h in BRB)

Frau Beck

a.beck@dwpotsdam.de

Damaschkestrasse 17

14770 Brandenburg/Havel

03381 7938697

0331 23700890

(DO 13-16h in BRB)

Migrationsberatung für bleibeberechtigte Zuwanderer (MBE)

Frau Marte

migration@awo-potsdam.de

offene Sprechstunde:

DO 9-13 und 14-16h

0151 12105768

Frau

Stuhrhahn

Rosa-Luxemburg-Allee2

14770 Brandenburg/Havel

03381 7976288

Jugendmigrationsdienst

(bis 27 Jahre)

Frau Domres

Walter-Ausländer Str 1

kerstin.domres@internationaler-bund.de

03381 73 98 57

Potsdam / Mittelmark

Flüchtlingsberatung Asylverfahrensberatung PM

Frau Zerrari

darine.zerari@internationaler-bund.de

03329 6907063

0170 2119896

AWO Migrationsberatungsstelle (MBE)

Frau Marte

Brücker Landstraße 1a

14806 Bad Belzig

migration@awo-potsdam.de

(auch in Werder, Beelitz und Teltow, bitte erfragen)

033841 387858

0151 12105768

Jugendmigrationsdienst

(bis 27 Jahre)

Frau Watzke

Marktplatz 5, 14806 Bad Belzig

julia.watzke@internationaler-bund.de

033841 45954

0176 35394935 

In der Frühjahrstagung der Kreissynode am 28. März 2015 in der Domaula in Brandenburg hat das Präsidium zugesagt, dass die Präsentationen der vier Referentinnen und Referenten auf der Internetseite des EKMB zur Verfügung gestellt werden.

Wir danken Frau Stiebitz und Frau Fernández sowie Herrn Fricke und Herrn Reitsch, dass sie uns ihre Präsentationen zur Verfügung stellen.

• Pfarrer Bernhard Fricke, Seelsorger im Abschiebungsgewahrsam Berlin-Köpenick und in der Abschiebehaft Eisenhüttenstadt, Vorsitzender von „Asyl in der Kirche“ sowie Gründungsmitglied der AG Kirche und Rechtsextremismus, ab 1. Mai 2015 Flüchtlingspfarrer im Kirchenkreis Potsdam:
Flüchtlinge und Kirchengemeinde

• Ina Stiebitz und Cyrielle Fernández vom Beratungsfachdienst (u.a. in Brandenburg a.d. Havel und Potsdam–Mittelmark) für MigrantInnen beim Diakonischen Werk:
Fremde, die zu uns kommen

• Wolfgang Reitsch, Kreisgeschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes:
Fremd in Deutschland

Workshop Flüchtlingsarbeit

Der Workshop fand am 19. Juni in Lehnin statt. Frau Stiebitz vom Beratungsfachdienst für MigrantInnen beim Diakonischen Werk und Herr Fricke, Flüchtlingspfarrer im Kirchenkreis Potsdam, hielten jeweils ein Referat:

* Ina Stiebitz: Asylbewerber in Deutschland

* Bernhard Fricke: Flüchtlinge in Brandenburg