Brandenburg weint mit Lehnin

Kloster Lehnin. Es ist wie ein schwarzer Schleier, der seit dem 5. September über Kloster Lehnin liegt. An diesem Tag verloren zwei ehrenamtliche Feuerwehrmänner aus Lehnin bei einem Einsatz auf der Autobahn 2, bei dem sie einem Unfallopfer zu Hilfe geeilt waren, ihr Leben. Am gestrigen Freitag nun, zehn Tage nach dem Schwarzen Dienstag für Kloster Lehnin und das gesamte Feuerwehrwesen im Land, ja das ganze Land, sind viele hundert Menschen zu einem Trauergottesdienst für die beiden 38 und 23 Jahre alten Verstorbenen in der Lehniner Klosterkirche zusammen gekommen. Unter ihnen sind der Ministerpräsident des Landes Brandenburg, Dietmar Woidke, und Innenminister Karl-Heinz Schröter. Auch Finanzminister Christian Görke, die Staatssekretärin des Innenministeriums, Katrin Lange, und Bildungsminister Günter Baaske sind unter den Trauernden.

Die Trauerandacht leiten die Pfarrerin der Evangelischen St. Marien-Klosterkirchengemeinde Lehnin, Almuth Wisch, und ihr Ehemann, der Superintendent des Kirchenkreises Mittelmark-Brandenburg, Siegfried-Thomas Wisch. Am Altar liegen viele Blumenkränze, daneben große Portraits der beiden Verstorbenen. Die Anwesenden nicken sich zu. Kaum einer spricht. Das Bild wird geprägt von vielen jungen Männern; es sind die Aktiven im Ehrenamt des Feuerwehrkameraden.

Die mehr als 400 Sitzplätze bietende Klosterkirche fasst die Trauergemeinde kaum. Viele stehen. Aus dem gesamten Land kommen Menschen, um der öffentlichen Trauerandacht beizuwohnen. Das Mitgefühl ist gewaltig. Die Klosterkirche war seit dem Tag des Unfalls geöffnet für die Menschen, die dort das Schreckliche zu fassen suchten. Auch dort liegt ein Kondolenzbuch aus wie in der Rettungswache, vor der ein Blumenmeer und brennende Kerzen von der großen Anteilnahme in der Region zeugen. Eine Stunde vor Beginn der Andacht treffen zwölf Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Rädel ein. Einer der Männer trägt einen Kranz als letzten Gruß.

Menschen stehen mit Tränen in den Augen vor der Kirche. Hunderte in der Uniform der Freiwilligen Feuerwehr. Am Revers Trauerschleifen. „Die Gefühle sind schlimm“, sagt eine ältere Frau. Notfallseelsorger und Angehörige des Rettungsdienstes sind gekommen. Ebenso der Inhaber des Fuhrunternehmens, das in den Unfall verwickelt war. „Wir sind zusammen gekommen in Trauer, Schmerz und Ohnmacht“, begrüßt Pfarrerin Wisch die mehr als tausend Menschen.

„Die Seele atmet Bitternis.“ „Ach, bleib bei uns, Herr Jesu Christ“, von Johann Sebastian Bach, und „Tears in heaven“ von Eric Clapton sind zu hören. Superintendent Wisch sagt, „haltet die Welt an, es fehlt ein Stück.“ Und er nennt die Namen der Verstorbenen. Zwei junge Familienväter, die Frauen und Kleinkinder hinterlassen. „Als Retter gekommen, als Engel gegangen, dieser Satz verbreitete sich nach dem Unfall“, sagt Almuth Wisch. „Absurd, dass so junge Männer beerdigt werden müssen und ihre Familien an Gräbern stehen.“

Und sie fügt hinzu: „Sirenen und Martinshörner gehören zum Alltag hier an der A 2.“ Und: „Ein Ort weint.“ Ministerpräsident Woidke spricht ebenfalls zu der Trauergemeinde. „Der Schock sitzt tief bei den Menschen im Land.“ Besonders betroffenen mache, dass Feuerwehrleute im Ehrenamt gestorben seien. Er stellt die Frage: „Warum müssen Feuerwehrleute, die freiwillig Dienst tun solch gefährliche Arbeit machen?“ Woidke verspricht einheitliche Absicherung der Familien von ehrenamtlichen und Berufsfeuerwehrleuten und aller im Rettungswesen Tätigen.

Von Marion von Imhoff in der Märkische Allgemeine Zeitung ⋅ Sonnabend / Sonntag 16. / 17. September ⋅ Fotos: DPA