Andacht zum Ewigkeitssonntag

Andachtsblatt für zu Hause 

Sonntag, 22. November 2020 | Ewigkeitssonntag

Es ist Ewigkeitssonntag. Heute denken wir an die Verstorbenen dieses Jahres. Wir nennen ihre Namen. In meinem Kopf und Herzen sind auch die Namen derer, die mir schon vor Zeiten verloren gegangen sind und die mir fehlen. Von wem hast du Abschied nehmen müssen in diesem Jahr oder früher? Vielleicht konntest du nicht einmal dabei sein. Vielleicht wart ihr nur wenige auf dem Friedhof. An wen denkst du gerade? Rufe dir die Namen deiner Verstorbenen ins Gedächtnis oder sage sie laut. Lege sie Gott ans Herz und entzünde eine Kerze.

Ich denke an N.N. und daran, dass ich sie/ihn gern hatte. Ich behalte diese Zuneigung in meinem Herzen.

Ich denke an N.N. und daran, dass sie/er mich gern hatte und mir Gutes tat. Ich sage ihr/ihm Dank.

Ich denke an N.N. und an das, was ich ihr/ihm schuldig geblieben bin. Ich bitte sie/ihn um Vergebung.

Ich denke an N.N. und an das, was sie/er mir schuldig geblieben ist. Ich vergebe ihr/ihm.

Der Friede Gottes sei mit uns allen.

Lesung

Nimm eine Bibel zur Hand und lies im Neuen Testament im Buch der Offenbarung, Kapitel 21, Vers 1 bis 7.

Impuls

Alles neu macht der Herbst.Rückt den Himmel näher.Lässt die Krähen kreisen.Legt den Frost über die letzten Spinnweben,über die trockenen Gräser, das Schlehengestrüpp.Erst wenn die blauen Schlehen einmal gefroren waren,kann man sie essen. Sagte meine Großmutter.Der Herbst rüttelt an den Bäumen und sie lassen ihre Blätter los. Die fallen zu Boden, werden Morast.Alles neu macht der Herbst.Nimmt und gibt.Wo die Blätter am Baum waren, ist für eine lange Weile nichts.Wo wir an warmen Tagen draußen saßen, ist jetzt nur letztes Laub auf der Bank und der Geruch nach feuchter Erde.Und in uns angesammelt ist dieses Jahr.Sein Glück. Sein Schmerz.In uns und um uns Erinnerungen.Das erste Mal dies. Das letzte Mal das. Es kommt nicht zurück.Alles neu macht der Herbst.Macht uns nackter und ausgesetzter –obwohl wir doch Mäntel haben, Wollpullover, Schals und Stiefel.Alles neu macht der Tod.Auch für die, die leben.Ich gehe auf das Neue zu. Ob ich will oder nicht.Kalte Luft um mich. Nebel. Regen.Und manchmal plötzlich helles Blau.Andere Gedanken. Anderer Klang.Und der auf dem Thron sitzt, sagt:»Siehe, ich mache alles neu!«Gott wird die Tränen abwischen von unseren Augen.Der Tod wird nicht mehr sein.Und auch kein Klagegeschrei und kein Schmerz.Was früher war, ist vergangen.Alles neu macht Jesus.Rückt den Himmel näher.Lässt die Seelen und Träume fliegen wie Vögel.Er ist durchs Dunkel gegangen.Durchs Sterben, durch Nebel und Tod.Deshalb kennt er uns.Er weiß es. Weiß alles.Auch das, was wir niemandem sagen.Er weiß es und bleibt.Jesus rüttelt an den Gräbern.Er ruft uns zum Leben.In uns angesammelt ist dieses Jahr.Sein Glück. Sein Schmerz.In uns und um uns Erinnerungen.Das erste Mal dies. Das letzte Mal das. Es kommt nicht zurück.Aber wir werden neu.Dies ist nicht das Letzte. Dies ist nicht das Ende.Unterm Morast schon ein Wachsen.Unter den Tränen schon ein Lächeln.In den kahlen Bäumen, in den leeren Händenunsichtbar schon, was kommt.Es muss nicht bleiben, wie es ist.Weil auch Jesus nicht im Grab blieb.Alles neu macht der Herr.Sieh doch, hinter dieser Welt schon der Himmel.

Amen.

Gebet am Ewigkeitssonntag

Ewiger Gott, du bist groß.An deinem Herzen ist viel Platz.Bei dir sind alle aufgehoben.Die Toten, die Lebenden und die Kommenden.Berge uns im Mantel deiner Liebe,wenn uns kalt wird von innen her,wenn Trauer und Trostlosigkeit uns nicht loslassen wollen.Gewähre uns einen Unterschlupf bei dir,wenn uns Gedanken verfolgen an das,was wir vielleicht versäumt habenoder anders hätten machen sollen.Halte uns fest, ewiger Gott, wenn der Boden unter uns wankt.Unsere Zeit steht in deinen Händen.Du hast uns das Leben geschenkt.Zu dir kehrt es am Ende zurück.Hilf uns, jedem Tag sein eigenes Recht zu geben.Unsere Zeit hat ihre Grenzen, aber bei dir ist Ewigkeit.Vater unser im Himmel…

Liedvorschlag

„Der Himmel, der ist, ist nicht der Himmel, der kommt“ EG 153, Strophen 1-5

Segen

Es segne uns Gott, zu allem mächtig und barmherzig –Vater, Sohn und Heilige Geistkraft.

Amen.

 

Vielleicht ist es jetzt richtig, die Kerze auszublasen.

Vielleicht lässt du sie noch brennen.

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