AG Struktur

Bericht an die Herbstsynode 2016 - J. Martina Rief, Dr. Thomas Götze

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AGS - Zwischen Vision und Zahlenwerk

Brauchen wir nicht erst einmal eine Vision für unseren Kirchenkreis, bevor wir an Strukturen arbeiten und uns mit Zahlen herumschlagen? Diese Frage taucht in den Beratungen der AGS regelmäßig auf, wenn das Zahlenwerk, Listen und Berechnungen das alles Beherrschende Medium zu werden drohen.
Wir brauchen beides, Fakten und Visionen. Doch am Ende steht die schlichte Frage der Synodalen, Gemeindekirchenräte und Mitarbeitenden: Wie lange wird es diese und jene Personalstelle noch geben? Das ist der dritte Eckpunkt des Aufgabenfeldes der AGS.

Ich möchte in Erinnerung rufen, auf welche Visionen sich unsere evangelische Kirche in synodalen Prozessen verständigt hat; Visionen, die dauerhafter sind als unsere kreiskirchlichen Strukturen: Grundartikel II unserer Grundordnung, Abs. 2+3:
2. Der Heilige Geist erbaut und leitet die Gemeinde durch vielfältige Gaben und Dienste.
Sie dienen alle dem einen Amt, dem sich die Kirche verdankt und das ihr aufgetragen ist: die in Christus geschehene Versöhnung Gottes mit der Welt zu bezeugen und zur Versöhnung mit Gott zu rufen.
Alle Dienste, ob in Verkündigung oder Lehre, in Diakonie oder Kirchenmusik, in der Leitung oder der Verwaltung, sind Entfaltungen des einen Amtes.
3. Kraft des Priestertums aller Gläubigen ist jedes Gemeindeglied verpflichtet und berechtigt, nach dem Maß seiner Gaben, Kräfte und Möglichkeiten kirchliche Dienste wahrzunehmen.

Das ist die Vision, die in paulinischer Weise im Präsens geschrieben steht, als wäre sie schon unsere Wirklichkeit. Das soll sich abbilden in unserem Kirchenkreis, in den verschiedenen Diensten, Pfarrbereichen und Gemeinden.
Der Kirchenkreis EKMB vermag den administrativen Rahmen dafür zu geben. Doch das kirchliche Leben, die Inhalte sind besser in überschaubareren Räumen zu gestalten. Dafür haben wir die Regionen gebildet und Regionalbeiräte eingesetzt.

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Verlässliche Strukturen – Beständigkeit der Mitarbeitenden

Die AGS hat sich der Aufgabe gestellt, ein Gerüst dafür zu konstruieren, wonach alle an den verfügbaren Kapazitäten partizipieren, nicht nur an den Lasten mit tragen, sondern  auch Teil haben an dem Gewinn, dem Zugewinn an Lebendigkeit, Kreativität, Zuwendung, Gemeinschafts- und Frohsinn, Freude am Evangelium …

Dieses Gerüst, dieser Rahmen ist nun eben auch mit Zahlen zu beschreiben: Gemeindeglieder, Kirchtürme, Kindergärten, Friedhöfe; dazu Kirchensteueraufkommen; und schließlich die Inhalte: Gottesdienste, Gruppen und Kreise, Amtshandlungen, Veranstaltungen …
Wir stellen fest, dass in den zurückliegenden 5 Jahren die Gemeindegliederzahl von 30.328 in 2011 auf jetzt 27.227 gesunken ist, rund -3.000, jährlich etwa 3,5%.
Die Alterspyramide steht nicht mehr als Pyramide da, sondern allenfalls in der Form eines von den Stürmen der Zeit zerzauster Tannenbaumes mit einem immer länger und nach unten dünner werdenden Stamm.
Und wir können uns ausrechnen: Wenn die jetzt stärksten Jahrgänge mit den um die 80-jährigen 10 Jahre weiter sind, wächst nicht mehr so viel nach. Und wenn die noch relativ starke Altersgruppe der jetzt Mitte-40- bis Mitte-60-Jährigen nach oben rückt, wird es in 10 Jahren dünn.
Gleichzeitig haben sich die Kirchensteuereinnahmen gehalten, ja sogar in den letzten 5 Jahren positiv entwickelt.

Das ermutigt uns von der AGS zu der Empfehlung, die Personalstellen mindestens in den nächsten 5 Jahren auf dem jetzigen Niveau zu halten - vielleicht auch länger, aber unter laufender Kontrolle der Einnahmen.  Wir müssen aber auch beachten, dass die Personalkosten durch Tariferhöhungen jährlich um etwa 2,5% steigen.

In den zurückliegenden 5 Jahren hat es eine Menge Veränderungen gegeben, die erst einmal verkraftet werden müssen. Durch den Zusammenschluss der Kirchenkreise ist die Leitungsebene um 1 Pfarrstelle reduziert worden (von 2,5 auf 1,5).
Die Gemeindepfarrstellen sind um 2,95 gekürzt worden (wenn wir die Projektstelle für Gemeindeaufbau als Stelle mitzählen, sonst „nur“ 1,95).
Dem gegenüber steht aus wohl überlegten Gründen eine Stärkung der Bereiche Gemeindepädagogik mit + 1,22), Kirchenmusik + 3,35 (bzw. 2,35 bei Berücksichtigung der Projektstellen)  und Jugendarbeit + 2 (bzw. 1).
(Wir verzichten an dieser Stelle auf Vollzähligkeit. Die angegebenen Zahlen können je nach Zuordnung besonderer Stellen differieren. Die Tendenz zwischen den Berufsgruppen ist jedoch deutlich.)

So wie man sich in den ersten Gemeinden entschlossen hatte, Diakone einzusetzen und damit die Strukturen, das Ämtergefüge zu verändern, so werden wir voraussichtlich auch in den nächsten Jahren zwischen den Berufsgruppen Veränderungen haben. Es steht zum Beispiel die Umsetzung des Synodalbeschlusses für die weitere Stärkung der Jugendarbeit aus – dazu brauchen wir die Beratungen in den Regionalbeiräten.

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Teilnehmerzahlen – Angebot und Nachfrage

Wir werden noch einen weiteren Bereich von Zahlen betrachten müssen: Teilnehmerzahlen bei den hauptamtlichen Diensten. Die gern zitierten 2 oder 3 im Namen Jesu Versammelten haben die Verheißung, dass Christus „mitten unter ihnen“ ist. Er selbst hat dieses Versprechen gegeben, und zwar, als die Einmütigkeit und Bereitschaft zur Vergebung auf dem Spiel stand: ob sie mit einer Stimme beten könnten und nicht gegeneinander. (Mt. 18,20) Da verspricht Jesus die Erhörung des Gebetes.
Das ist keine Ansage für den Einsatz von hauptamtlich Mitarbeitenden.

In der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen gibt es eine klare Regel: Für eine Gruppe braucht es im ländlichen Bereich mindestens 6, in der Stadt mindestens 8 Teilnehmer.
Welche Maßstäbe legen wir in der Konfirmandenarbeit an?
Oder bei den Frauen- und Seniorenkreisen oder bei der Chorarbeit?

Ich gehe noch weiter: Der Gottesdienst.
Wenn sich zum Taizé-Gebet Gemeindeglieder versammeln, und es sind oft nur zwei, manchmal 3 oder 4, dann ist das eine gute Sache. Doch es wäre nicht gut, wenn sie erwarten, der Kirchenmusiker oder die Pfarrerin müsste immer dabei sein.
In der jüdischen Tradition gibt es die Regel, dass mindestens 10 Männer anwesend sein müssen (oder 9, wenn die Thora-Rolle einen Mann ersetzt). In Reformgemeinden zählen die Frauen gleichberechtigt mit.

Und bei uns?
Ist es sinnvoll und ein verantwortungsvoller Umgang mit unseren Kapazitäten, wenn in einem Ort dauerhaft weniger als 7 Gottesdienstbesucher kommen (- und das am selben Tag an 2 oder 3 Orten), dass der Pfarrer, die Pfarrerin sich auf den Weg macht, wo sie in der Zeit, die sie für einen Gottesdienst brauchen, bestimmt zwei Hausbesuche machen könnten, die dringend nötig sind?
Da gibt es zu den Kleinstgottesdiensten Alternativen, die teils auch schon in unserem Kirchenkreis praktiziert werden.

Bei solchen Überlegungen geht es nicht nur um „Wirtschaftlichkeit“.
Es geht vor allem um die Vergewisserung, aufgehoben zu sein in der Gemeinschaft der Glaubenden; nicht als Einzelkämpfer da zu stehen, sondern mit vielen unterschiedlichen Menschen, die unseren christlichen Glauben leben und nach außen vertreten, unterwegs zu sein.
Besonders Jugendliche brauchen das.
Doch umso kleiner unsere Gemeinden werden und sich manchmal die Angst breit macht, bald gar nicht mehr da zu sein, ist die Bestärkung in einer größeren Gruppe auch in fortgeschrittenem Alter umso wichtiger.
Es macht einen Unterschied, ob man sich in der längst zu großen Kirche verloren vor kommt  oder der Gemeindegesang von vielen kräftig klingt; ob man zu zweit am Abendmahlstisch steht oder um den Altar immer noch ein Stück herum rückt, damit alle Platz haben …

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Ausblick auf die Frühjahrssynode

Die bisherigen Recherchen und Berechnungen werden zu einem Modell zusammengefügt, einem „Gerüst“, welches den Kirchenkreis zu einer transparenten Personalplanung befähigt.
Dabei werden wir uns auf wenige gut greifbare Eckdaten beschränken, die in den Präsentationen mit Gemeindegliederzahlen, Kirchtürmen, KiTas und Friedhöfen schon mehrfach vorgestellt wurden; dazu eine Verhältnisbestimmung der verschiedenen Dienste zueinander.

Differenziertere Betrachtungen wird es in den Regionalbeiräten geben und in Beratungsgesprächen vor Ort, in den Pfarrbereichen wie bei der Erarbeitung oder Überarbeitung von Dienstvereinbarungen. Das ist dann nicht mehr Aufgabe der AGS.

Gleichzeitig laufen die Beratungen für eine Art Geschäftsführung für die KiTas, für eine professionelle Bauberatung und für ein vertretbares Anstellungsverhältnis der Gemeindesekretärinnen, die nach derzeitigen Arbeitsbedingungen oft mit mehreren Miniverträgen arbeiten.  
Nimmt man das alles zusammen, dann glaube ich, dass wir die Vision von Evangelischer Kirche bei uns entdecken und erleben können als unsere kirchliche Realität.

J.-Martina Rief / Dr. Thomas Götze
Vorsitzende        stellv. Vorsitzender 

Bericht für die Kreissynode am 16. April 2016 - Rief / Dr. Götze

Der blinde Bartimäus fing an, zu schreien und rief:
Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner!
Und viele fuhren ihn an, er solle stillschweigen.
Er aber schrie noch viel mehr:
Du Sohn Davids, erbarme dich meiner! (Mk. 10,47f )

Das ist der Lehrtext zur Tageslosung für heute, 16. April 2016.
Er hält uns einen Spiegel vor, wo wir uns wieder erkennen können – im blinden Bartimäus, der sehen, der erkennen möchte; oder in denen, die ihn zum Schweigen bringen wollen, die sein Geschrei nicht hören wollen, weil sie vielleicht selbst lieber nicht sehen, nicht erkennen möchten, in welcher Lage sie sind; oder wir erkennen uns in denen, die Bartimäus zu Jesus führen, ohne zu wissen, welche Konsequenzen das haben könnte, wenn dem die Augen aufgehen.

Die AGS hat vor 2 Jahren angefangen, Daten zu sammeln, die beim genauen Hinsehen auf unseren Kirchenkreis und die Pfarrbereiche Erkenntnisse möglich machen über Aufgabenumfänge und Personalverteilung. - So weit sich das zahlenmäßig darstellen lässt, sind die Daten in der tabellarischen Gesamtschau des Kirchenkreises zu sehen.

Nach einem ersten wesentlichen Schritt, der Regionenbildung, welche die Arbeit im großen Kirchenkreis übersichtlicher machen soll, fängt nun die weit schwerere Aufgabe der AGS an, nämlich: aus dem, was zu sehen ist, Perspektiven für eine Weiterentwicklung in den nächsten 10 Jahren aufzuzeigen.

„Eine der größten Herausforderungen der Zukunft besteht in der demographischen Entwicklung, das heißt, in dem voraussehbaren Rückgang der Bevölkerung, der Zunahme des Anteils älterer Menschen, den damit einhergehenden sozialen Strukturveränderungen  und  innerdeutschen  Wanderungsbewegungen  und  der Zunahme ausländischer Bevölkerungsanteile und ihrer Integration.“ *
Diese Feststellung ist nicht neu.
Ich zitiere hier aus dem EKD-Text Nr. 87 Wandeln und Gestalten von 2007.
Andere haben solche Feststellungen schon viel eher gemacht.

Zur demographischen Entwicklung kommt die Tatsache hinzu, dass die Landflucht weiter anhält – auch wenn in manchen Gebieten ein Zuzug erkennbar ist, sogar im Land Brandenburg, im Kirchenkreis Mittelmark-Brandenburg. Insgesamt ist hier weiterhin eine für die Bundesrepublik überdurchschnittlich hohe Abwanderung von -3,5% zu verzeichnen (Bundesdurchschnitt -0,7%). Gewinner sind vor allem die „Speckgürtel“ der Großstädte.*

Jeder kann im Verzeichnis der Gemeindeglieder nachschauen und sich ausrechnen, wie weit die eigenen Gemeinden mit der allgemeinen Entwicklung im Land Brandenburg übereinstimmen oder abweichen.

An dieser Stelle sehen Sie nun eine Gesamtschau auf den Kirchenkreis EKMB – wir verzichten hier auf eine detaillierte Betrachtung der Pfarrbereiche. Das kommt dann zum Tragen, wenn konkrete Stellenplanung ansteht.

Folgt:
Präsentation von Dr. Thomas Götze zur Entwicklung der Gemeindegliederzahlen im EKMB und den Regionen.

In der Studie des BERLIN-INSTITUTs, Die Zukunft der Dörfer, von 2011 (S. 4) finden wir ausreichend Belege für die ernüchternde Feststellung des Bevölkerungsrückganges auf dem Land. Zugleich finden wir da auch visionäre Gedanken. Ich lese:
„Der demografische Wandel verstärkt die Landflucht. Der allgemeine Bevölkerungsrückgang in Deutschland, der sich bis 2050 auf mindestens zwölf Millionen Menschen summieren dürfte, wird überwiegend entlegene ländliche Regionen treffen. Aber nicht nur Deutschland ist von diesem Trend betroffen: Alle Nationen mit stagnierenden oder gar rückläufigen Bevölkerungszahlen – von Portugal über Mittel- und Osteuropa bis nach Japan – erleben den gleichen Niedergang weiter ländlicher Gebiete. …
Die ländlichen Gebiete stehen damit vor der Wahl, sich ihrem Schicksal zu ergeben und sich irgendwie zu entvölkern, oder aber mit innovativen Ideen zu Pionieren des demographischen Wandels zu werden. Sie können und müssen die Lösungen der Zukunft erfinden, die billiger, effizienter und ressourcenschonender sind und deshalb für das ganze Land von Nutzen sein werden.

 

Was ist zu tun?
Die AG Struktur kann nur Vorschläge zu den Rahmenbedingungen machen.
Sie hat Vorschläge gemacht, wie im Großen Ganzen des EKMB Gestaltungsräume geschaffen werden können für den Einsatz der begrenzten Zahl von Hauptamtlichen, die 4 Regionen mit ihren insgesamt 30 Pfarrbereichen.
Sie kann Anregungen weiter geben und beraten – und ist offen für unkonventionelle Ideen.
Vorausgesetzt: Die Herausforderungen werden von der Basis, von GKR und Gemeindegliedern gesehen, angenommen und angepackt. Das bedeutet:
- sich umschauen, hören und lesen, wie andere mit den Herausforderungen umgehen,
-  Ausschau halten nach ermutigenden Beispielen, auch wenn diese nicht einfach auf die eigenen Verhältnisse zu übertragen sind.
Sie können aber etwas vermitteln von dem Geist, der den Gemeinden zugesagt ist:
Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben,
sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. (2. Tim. 1,7)

Ralf Kötter (Das Land ist hell und weit, S. 17f Anm.6) kommentiert:„Wenn wir die Augen weiter verschließen und nicht wollen, dass der Wandel kommt, dann kommt er umso mehr und macht mit uns, was er will.In unserem Experiment haben wir die Zeit genutzt und den unvermeidlichen Wandel zum Objekt unserer Gestaltung werden lassen. Wir prägen den Wandel inzwischen nach unseren Vorstellungen und verwandeln ihn aus einer bedrohlichen Herausforderung in eine verheißungsvolle Chance.“Kötter nennt folgende Handlungsfelder, wo er mit den Gemeinden von Bad Berleburg überraschende Erfahrungen gemacht hat. Zum Beispiel:- Unter dem Dach einer Kirchengemeinde ist ein vitaler Kompetenzverbund derer entstanden, die gemeinschaftliches Leben in den Dörfern verantworten und gestalten- Die Dörfer im Pfarrbereich treten nicht in Konkurrenz, sie tauschen sich aus, arbeiten ihre besonderen Gaben heraus, arbeiten solidarisch zusammen, …- Die kirchlichen Gebäude werden vielseitig genutzt und anderen Nutzern zur Verfügung gestellt, ggf. gegen GebührenEinen Satz habe ich mir bei Kötter besonders unterstrichen:„… unter den Bedingungen der Moderne muss Kirche notwendig experimentieren.“ (S. 27)

Er macht das anschaulich am Beispiel der Reformation im 16. Jahrhundert und kommt zu dem Schluss: „Eine evangelische Kirche, die sich im Jahr 2017 ihrer geschichtlichen Wurzeln redlich besinnen will, muss zuvor den Weg zurück in die Mitte der Gesellschaft finden.“ (S. 85). 

* zu 5. Absatz: Soziodemographische Studie:
Die Einwohnerzahl Deutschlands wird bis zum Jahr 2030 um mehr als eine halbe Million schrumpfen - dabei werden die Städte eher wachsen, während sich der ländliche Raum weiter ausdünnt. Dies zeigt eine am Mittwoch in Gütersloh veröffentlichte Bevölkerungsprognose aus dem Datenportal „Wegweiser Kommune“ der Bertelsmann-Stiftung. Demnach werden in 15 Jahren trotz zu erwartender hoher Zuwanderung in Deutschland nur noch 79,97 Millionen Menschen leben, 0,7 Prozent weniger als 2012.  

Bericht für die Kreissynode am 7. November 2015 - Rief / Dr. Götze

Die AGS hat unterdessen 10-mal getagt. Folgende Aufgaben aus dem 5-Punkte-Papier (Punkt 2) sind bearbeitet worden: 1. Bestandsaufnahme, 2. Entwicklung von Kriterien für die Bildung von Regionen innerhalb des EKMB, erste Schritte für 3. Aufstellung eines Personalplanes – 

1. Bestandsaufnahme
(Präsentation Gesamtzahlen Dr. Götze)
Diese kann als weitestgehend abgeschlossen betrachtet werden.
Bevor in einem Arbeits- oder Pfarrbereich Veränderungen vorgenommen werden sollten, werden die einzelnen Angaben jeweils genau überprüft und mit den Angaben vor Ort abgeglichen.

2.a Entwicklung von Regionen
Dazu liegen den Synodalen eine Beschreibung zur Regionenbildung sowie ein Beschlussvorschlag vor.
Der wesentliche Inhalt sei in Kürze noch einmal benannt:
Das Ziel ist eine Zuordnung der Personalstellen, welche in den Kirchengemeinden angesiedelt sind. (Die übergeordneten Dienste wurden bei der bisherigen Betrachtung gesondert geführt.)

Da der Kirchenkreis die unterschiedlichsten Konstellationen von Kirchengemeinden und Pfarrsprengeln hat, wurde die Zuordnung zu Pfarrbereichen gewählt. Das ist ein loser oder fester Verbund der Kirchengemeinden, die jeweils eine bis maximal zwei Pfarrstellen haben (z.B. Saarmund mit Neuseddin als 1 Pfarrbereich = 1 Pfarrstelle / oder Pfarrsprengel Päwesin aus 6 Gemeinden = 1 Pfarrbereich mit 1 Pfarrstelle).

Bei allen anderen Diensten - Gemeindepädagogik, Kirchenmusik, Jugendarbeit - sind die Stellenumfänge zu gering, als dass man sie den Pfarrbereichen genau zuordnen könnte. Die Realität sieht praktisch auch so aus, dass die meisten Mitarbeitenden pfarrbereichsübergreifend eingesetzt sind:
- Gemeindepädagoginnen gehen mit ihren Angeboten in diejenigen Gemeinden, wo sich Kinder und Jugendliche sammeln lassen oder Religionsunterricht stattfindet.
- Die Kirchenmusik ist mit den wenigen Stellen an hervorgehobenen Standorten angesiedelt.
- Die Stellen für Jugendarbeit werden ihren Arbeitsschwerpunkt an zentralen Orten haben, wo die Jugendlichen sich hingezogen fühlen und sich vorzugsweise sammeln,  insbesondere dort, wo die weiterführenden Schulen sind.

Die Bildung von Regionen schafft die Möglichkeit, einen äußeren Rahmen für die Zusammenarbeit der verschiedenen Aufgabenbereiche abzustecken, in welchem die räumlichen Entfernungen noch überschaubar sind.

Damit wird der Erfahrung Rechnung getragen, dass kirchlicher Dienst und Gemeindeaufbau mit den vier Säulen Verkündigung-Seelsorge-Bildung-Diakonie immer auch Beziehungsarbeit ist.

Anhand der Karte wird der Vorschlag von 4 Regionen anschaulich gemacht.
(Präsentation Dr. Götze)
Auf der Karte sieht man einen Bereich, wo die Zuordnung der Gemeinden gegenwärtig erst geklärt wird– der Pfarrbereich Brandenburg Ost nach dem Ausscheiden des Pfarrstelleninhabers 2016.
Der Umfang der Aufgaben in „Brandenburg-Ost“ deckt sich in der Bezifferung ziemlich genau mit dem, was in der Region Lehnin sonst zu wenig ist. Die AGS schlägt daher vor, die Gemeinden dieses Pfarrbereiches zur Region Lehnin zuzurechnen.
Die Entscheidungen darüber, wohin die betroffenen Gemeinden gehen, werden mit den betroffenen Kirchengemeinden erarbeitet; KKR und AGS beraten in diesem Prozess.
Da die Zahlen diesen Schritt für das Gleichgewicht der Region sinnvoll erscheinen lassen, wird zunächst mit dieser Zuordnung weiter gerechnet.

2.b Kriterien für die Stellenzuweisung zu den Regionen
(Jugend-MA noch beim Gesamtplan KK)
Der Leitgedanke ist, Regionen zu schaffen, die von ihren Arbeitsanforderungen möglichst gleich stark sind.
Zur Bewertung dienten folgende Angaben, bezogen auf die durchschnittlichen Zahlen:
- Gemeindegliederzahlen – 65 Prozentpunkte
- Kirchtürme (Kirchengebäude, die in gemeindlicher Unterhaltung und Nutzung sind) - 20 Prozentpunkte
- Kindertagesstätten in gemeindlicher Trägerschaft - 10 Prozentpunkte
- Friedhöfe (in gemeindlicher Trägerschaft) - 5 Prozentpunkte

(Präsentation Dr. Götze Tabelle und Säulendiagramm)
Die Regionen bieten die Chance, verlässliche Strukturen für die Mitarbeitenden sowie für die Kirchengemeinden zu bieten. Voraussetzung dafür ist eine Festlegung der Regionen und Zuordnung der Pfarrbereiche, in welchen die Mitarbeitenden ihre Arbeit planen, organisieren und umsetzen.
(Zitat aus der Vorlage HS 2015:) Innerhalb einer Region sollen die Mitarbeitenden:
ihre Dienste - Gottesdienste, Kinder-, Konfirmanden- und Jugendarbeit, Gemeindekreise, kirchenmusikalische Aktivitäten und Veranstaltungen planen und sich abstimmen,
Urlaubs- und sonstige Vertretungen regeln,
regionale Schwerpunkte herausarbeiten …
Die AGS empfiehlt der Synode die Gliederung des Kirchenkreises in 4 Regionen (Beschlussvorschlag).

3. Aufstellung eines Personalplanes - Ausblick
Der Personalplan dient dazu, die hauptamtlich Mitarbeitenden im Gemeindepfarrdienst, in der Gemeindepädagogik, in der Kirchenmusik und in der Jugendarbeit den Regionen mit möglichst aufgabengerechten Stellenanteilen zuzuordnen. Dabei wird es innerhalb der Regionen Abweichungen von den gemittelten Werten geben, was inhaltliche Gründe haben kann: z.B. für eine Konzentration von Kirchenmusik in Brandenburg bzw. Beelitz oder von Gemeindepädagoginnen in der Region Beelitz.
Bei der Berechnung der Stellenanteile geht die AGS vom Stellenplan des Kirchenkreises für 2016 aus. Eine Ausweitung der Stellenzahl insgesamt ist nicht möglich.
Die Weiterarbeit der AGS wird zu berücksichtigen haben, dass die Entwicklung der Gemeindegliederzahlen einen Verlust von durchschnittlich 3% jährlich zu verzeichnen hat. Bei Betrachtung der Alterspyramide in den nächsten Jahren ist ein noch stärkerer Wegbruch zu erwarten.
An diesem Punkt setzt die AGS mit ihrer weiteren Arbeit an.


AGS Synodenbericht HS 2015

Zur Erinnerung:
Auszug aus dem 5-Punkte-Papier von der Herbstsynode 2013

1. Herausforderung und Ziel 
1.1. Die allgemeinen Entwicklungen der evangelischen Kirche im Bereich der EKBO und der Zusammenschluss von 3 Kirchenkreisen zum EKMB bringen Herausforderungen und Möglichkeiten, um die bestehenden Strukturen von Kirchengemeinden und kirchlichen Diensten zu überprüfen und weiter zu entwickeln.
1.2. Der Schwerpunkt liegt bei der Entwicklung eines vorausschauenden Stellenplanes, was sich aus den Aufgaben des Kirchenkreises ergibt:   Der Kirchenkreis fördert die Zusammenarbeit der Kirchengemeinden seines Bereichs untereinander und mit den kirchlichen Einrichtungen und Werken. Er sorgt für eine gerechte Verteilung der Mittel und führt einen Ausgleich der Kräfte und Lasten zwischen den Kirchengemeinden seines Bereichs herbei. (Art. 39(5)
1.3. Um den Kirchenkreis – die Synode bzw. den KKR bei der Erfüllung ihrer Aufgaben gemäß GO Art. 39 (3)-(5) und Art. 50 (3) zu unterstützen, soll eine Strukturkommission eingesetzt werden.
1.4. Das Ziel ist die Verständigung der Synode über einen Perspektivplan des Kirchenkreises für die nächsten 10 Jahre, welcher:
die Zusammenarbeit von Kirchengemeinden und kirchlichen Diensten*  in Regionen ordnet und
den Einsatz von Personalstellen im Verkündigungsdienst regelt – Gemeindepädagogen und -pädagoginnen, Kirchenmusiker und -musikerinnen sowie Theologinnen und Theologen.
Anmerkung: * betrifft: Jugendarbeit, Krankenhausseelsorge, Notfallseelsorge, Schulpfarrstellen, Diakonie, Öffentlichkeitsarbeit und Verwaltung (ergänzt)
2. Aufgaben
2.1. Bestandsaufnahme
2.2. Entwicklung von Kriterien für die Bildung von Regionen innerhalb des EKMB(unabhängig von Selbstständigkeit oder Zusammenschluss von Gemeinden)
2.3. Aufstellung eines Personalplanes für den Verkündigungsdienst (Gemeindepädagogen und -pädagoginnen, Kirchenmusiker und -musikerinnen sowie Theologinnen und Theologen), welcher den Regionen eigene Gestaltungsmöglichkeiten gibt.

AG Struktur: Berichte an die Synode

AG Struktur des EKMB        

Bericht für die Kreissynode am 8. November 2014                         Vorsitzende J.-Martina Rief

Die AG Struktur hat sich bisher 3-mal getroffen.
Er geht noch um die Bestandsaufnahme.
Ergebnisse können bisher nur grob beschrieben werden:
Derzeit gibt es im EKMB 33 (34) Pfarrbereiche,
     in denen insgesamt 98 (105?) Gemeinden pfarrdienstlich betreut werden
     mit 35 Gemeindepfarrstellen (Stellenumfang 34) (wechselnde Vakanzen),
     14 Mitarbeiterinnen im gemeindepädagogischen Bereich,
     8 Mitarbeiter / Mitarbeiterinnen im kirchenmusikalischen Bereich
     7 weitere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen (diakonischer Bereich, Jugendarbeit)
     5 Pfarrer, Pfarrerinnen in funktionalen Diensten, Klinikseelsorge und Schule …

Die Strukturen der Pfarrbereiche lassen sich in folgende Kategorien einteilen:
- reine Stadtgemeinden
- Stadtgemeinden mit zugeordneten Dörfern
- Landgemeinden als Zusammenschluss mehrerer Dörfer (Gesamtgemeinden)
- Pfarrsprengel (loser Zusammenschluss mehrerer Gemeinden)
- Einzelgemeinden im ländlichen Bereich

Die Gemeindegliederzahlen liegen zwischen 1900 und 17

Zielsetzungen:
- Gliederung des Kirchenkreises EKMB in Regionen – als Rahmen für den Einsatz der Mitarbeitenden in den Beriechen Pfarrdienst, Gemeindepädagogik, Kirchenmusik, Jugendarbeit, Diakonie unter Berücksichtigung der Wege und Entfernungen
- Beschreibung der Pfarrbereiche: Welche Orte sollen für die nächste Amtsperiode (10 Jahre) jeweils einer Pfarrstelle zugeordnet sein? (in Stadtgemeinden können auch mehrere Pfarrstellen für einen Pfarrbereich zuständig sein)
- Festlegung der Anzahl der Pfarrbereiche im Kirchenkreis
- Zuordnung der Personalstellen zu Regionen und zu Pfarrbereichen
- Schaffung von attraktiven Stellen, in denen die Rahmenbedingungen für die jeweiligen Dienste so beschaffen sind, dass die jeweiligen Qualifikationen zum Zuge kommen (und wo die Kräfte nicht durch anderweitige Aufgaben gebunden werden, z.B. ein Übermaß an Verwaltungsarbeit, oder die Erwartung, dass Pfarrer auch die Musik übernehmen) 

Rahmendbedingungen / Herausforderungen:
Es ist kaum möglich, Prognosen aufzustellen.
- Die Entwicklung der Gemeindegliederzahlen wird weiter rückläufig sein
- Die Finanzentwicklung bleibt der AG Struktur bisher verborgen
- Es gibt bisher keine verbindlichen Aussagen der Landeskirche über Richtlinien, wonach ein angemessener Personalbedarf bestimmt werden kann. 

Die AG Struktur arbeitet derzeit daran, Kriterien aufzustellen, nach denen die Pfarrbereiche und Regionen bewertet werden können und ein Personalbedarf bzw. ein anteiliger Stellenumfang aus der Summe der verfügbaren Personalstellen ermittelt werden kann.